Taugt Spanien als Winter-Arbeitsort, wenn dein Büro im Wohnmobil steckt? Wir haben es im Winter 2025/26 ausprobiert, mit Starlink als Internet und einer spanischen Prepaid-SIM als Backup. Unsere Antwort ist ein ehrliches Nein. Das lag am Wetter, an geschlossenen oder überfüllten Plätzen, am Müll und an der Sicherheitslage an manchen Küstenabschnitten.
Für dich kann es trotzdem passen. Deshalb steht unter unserem Erfahrungsbericht alles, was du für einen Arbeitswinter in Spanien wirklich brauchst: Regionen und Klima, Internet, Strom und was Stellplätze kosten.
Inhalt: Unser Winter 2025/26 · Würden wir es wieder tun? · Regionen und Klima · Internet und Strom · Kosten · Anreise · Häufige Fragen
Unser Winter 2025/26 in Spanien und Portugal
Als ortsunabhängige Selbstständige verlegen wir im Winter unseren Arbeitsort in den Süden. Von 2025 auf 2026 sollten es Spanien und Portugal werden. Diese beiden Länder hatten wir noch nicht gesehen und dachten uns, es wäre mal eine nette Abwechslung zu Griechenland und den üblichen Routen. Gestartet sind wir im November von Deutschland aus über Frankreich nach Spanien und dann nach Portugal. Unsere Vorstellung: günstiges gutes Essen, tolle Strände und eine gute Infrastruktur, denn schließlich pilgern gefühlt tausende Camper jeden Winter da runter.
Sagen wir mal so: Es war an sich keine schlechte Idee, aber die Realität hat uns relativ schnell eingeholt.
Not gonna lie, wir haben mehr erwartet. Aber natürlich betreiben wir hier kein bodenloses Bashing. Wir möchten nur unsere persönlichen Erfahrungen mit euch teilen und zeigen, dass nicht alles auf Social Media so golden ist, wie es glänzt.
Das Wetter
Grundsätzlich denkt man sich ja: Je weiter südlich, desto wärmer die Wintermonate. Uns hat’s daher sehr überrascht, dass Spanien uns sehr nass begrüßte und dass es in den nächsten Tagen nicht besser werden sollte. In Portugal hatten wir schlussendlich besseres Wetter, aber in beiden Ländern gab es ziemlich regelmäßig Warnungen vor Überflutungen oder Sturm, sodass wir am Ende nur eine Woche an der Küste standen. Massiv unterschätzt: der Wind. Es gab fast keinen Tag, an dem es nicht übertrieben geweht hat, bis hin zu richtig stürmischen Böen.

Camper willkommen?
Wir wurden nicht direkt angefeindet, aber man hat deutlich gemerkt, dass das Interesse an Campern und Wohnmobilen in Spanien ziemlich abgenommen hat. Viele Plätze waren geschlossen, alles, wo man hätte stehen können, war überfüllt oder von der Polizei geräumt. Es gab gefühlt nichts dazwischen. Die Camping-Car-Park-App funktioniert auch in Spanien, ist aber super umständlich: Man muss bei jedem neuen Stopp alle Daten erneut erfassen, auch wenn es dieselben Leute sind. Wir konnten nicht auswählen, dass wir die Daten bereits mehrfach eingegeben hatten.
Müll und Sicherheit
Was uns sehr erschrocken hat: der Müll. An sich ist Spanien ein schönes Land, aber die Straßen und Orte waren einfach nur zugemüllt. Auch hatten wir uns vorher belesen und per Seminar bei Camper Joe informiert, was die Sicherheit in Spanien angeht, und auch hier gibt es Abzüge: Es gibt ganze Regionen und Küstenabschnitte (zum Beispiel die Costa Blanca oder die Region im Norden um San Sebastián), wo Einbrüche und Überfälle auf Camper und Urlauber gang und gäbe sind. Auch am helllichten Tag auf dem Supermarktparkplatz. Und das sind Zustände, da hört für uns der Spaß auf. Unbewachte Plätze in Städten, kennt man. Aber beim EINKAUFEN? Tatsächlich wurden solche und ähnliche Geschichten auch tagesaktuell vor Ort von Reisenden bestätigt. Wir haben solche Gebiete daher weiträumig gemieden.
Auch auf dem Rückweg sind wir über die Sierra Nevada statt an der Küste entlang gefahren. In den Facebook-Gruppen der Camper-Szene liefen zu der Zeit wieder vermehrt Meldungen über Einbrüche an bekannten Küstenstellplätzen.

Essenszeiten
Ein weiterer Aspekt, der eher persönlicher Natur ist, waren die Essenszeiten. Typisch südländisch essen auch die Spanier sehr spät, vor 19 Uhr gibt es kaum Möglichkeiten. Anders als zum Beispiel die Italiener oder die Griechen, die durchaus auch andere Zeiten akzeptieren und vereinzelt touristenfreundlich abdecken, schienen die Spanier (und auch die Portugiesen) sehr strikt zu sein. Das zählt für uns aber als persönliches Problem, da es die Kultur der Spanier ist. Die können ja nichts dafür, dass wir das anders handhaben.
Einkaufen und Tanken
Zum Einkaufen und Tanken war Spanien sehr angenehm. Während Portugal beim Einkaufen ebenfalls günstiger war als Deutschland, war das Tanken dort im Schnitt 20 Cent teurer als in Spanien. In Spanien haben wir Ende 2025 für 1,10 Euro Diesel getankt und für ganze 56 Cent (!) AdBlue. Das war schon damals ein guter Preis, der Landesschnitt lag im Dezember 2025 um 1,40 Euro. Inzwischen sieht es anders aus: Anfang November 2026 kostet Diesel in Spanien im Schnitt rund 1,90 Euro pro Liter.
Gas tanken war überhaupt kein Problem, ihr braucht allerdings einen Adapter für Spanien. Wir haben uns eine spanische Gasflasche zugelegt, die wir für etwa 20 Euro tauschen konnten, wenn sie leer war.
Würden wir wieder in Spanien überwintern?
Nein.
Das ist völlig subjektiv. Selbst wenn wir irgendwann nach Marokko fahren sollten, würden wir wieder durchziehen bis Portugal. Das Land hat uns deutlich mehr überzeugt, die ganze Atmosphäre war irgendwie angenehmer und camperfreundlicher. Gezielt nochmal hinfahren würden wir aber Stand heute eher nicht. Der Spanien-Hype hat uns einfach nicht gecatcht. Das ist alles in allem auch kein Problem, es gibt ja zum Glück genug schöne Fleckchen Erde für alle. Hauptpunkte für unsere Entscheidung sind die absurde Menge an Deutschen vor allem im Süden Spaniens und die damit einhergehende Überfüllung der Stellplätze, der Müll und die Einbruchssituation.
Nur weil Spanien uns persönlich nicht überzeugen konnte, heißt das nicht, dass du nicht mit dem Wohnmobil in Spanien überwintern solltest. Mach dir selbst ein Bild. Diesen Winter geht es für uns über Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach Griechenland.
Für wen Spanien im Winter trotzdem passt
Spanien funktioniert eher, wenn du einen festen Platz für Wochen suchst, statt ständig weiterzuziehen. Wer früh einen Langzeitplatz auf einem Campingplatz bucht, hat Strom, Sanitär und Nachbarn und muss sich um geräumte Parkplätze keine Gedanken machen. Genau das, was uns gestört hat, also volle Plätze und viel deutsches Publikum, ist für manche das Argument für Spanien.
Schwierig wird es, wenn du flexibel und frei stehen willst. Parken mit Übernachten wird in Spanien oft geduldet, solange nichts ausgeklappt ist (Markise, Stühle, Stützen). Campen außerhalb von Plätzen ist dagegen in der Regel verboten, und viele Gemeinden regeln das mit eigenen Verordnungen. Für einen verlässlichen Arbeitsalltag ist das zu viel Unsicherheit.
Regionen und Klima: Wo ist es im Winter wirklich warm?
Die bekannten Überwinterungsregionen liegen an der Südost- und Südküste. Im Januar liegen die Tageshöchstwerte dort im langjährigen Mittel bei 16 bis 17 Grad, nachts wird es deutlich kälter. Nur die Kanaren sind spürbar wärmer.
| Region (Messstation) | Ø Höchstwert Januar | Ø Tiefstwert Januar | Regen Januar | Sonnenstunden Januar |
|---|---|---|---|---|
| Costa del Sol (Málaga Flughafen) | 16,8 °C | 7,4 °C | 69 mm | 180 |
| Costa de Almería (Almería Flughafen) | 16,9 °C | 8,3 °C | 24 mm | 194 |
| Costa Blanca (Alicante) | 17,0 °C | 6,3 °C | 23 mm | 181 |
| Region Murcia (Stadt Murcia) | 16,6 °C | 4,7 °C | 27 mm | 189 |
| Kanaren (Gran Canaria Flughafen) | 20,8 °C | 15,0 °C | 25 mm | 184 |
Klimamittel 1981–2010 des spanischen Wetterdienstes AEMET.
Die Mittelwerte sagen nichts über Wind und Unwetter. Genau das hat uns erwischt. Ein paar Sätze zu den Regionen:
Costa del Sol rund um Málaga ist die bekannteste Region mit der größten deutschsprachigen Community, entsprechend voll und teurer an den Hotspots. Im Januar fällt hier fast dreimal so viel Regen wie in Almería oder Alicante.
Costa Blanca zwischen Alicante und Valencia ist sehr trocken und sonnig, im Seminar und von Reisenden vor Ort wurde sie uns aber als Brennpunkt für Einbrüche genannt.
Costa de Almería mit dem Naturpark Cabo de Gata ist die trockenste Ecke des Festlands. Im Naturpark wird Freistehen streng kontrolliert, plan mit offiziellen Plätzen.
Region Murcia mit der Costa Cálida (Mazarrón, Águilas) ist ruhiger und meist günstiger. Im Landesinneren werden die Nächte kalt.
Kanaren sind die einzige Region mit verlässlich frühlingshaften Temperaturen. Dafür brauchst du die Fähre ab Huelva oder Cádiz, und die Überfahrt ist lang.
Arbeiten im Winter: Internet, Strom, Arbeitsplatz
Internet
Bei uns lief das Internet den ganzen Winter über Starlink, das Datenvolumen war nie ein Thema. Als Backup hatten wir eine spanische Prepaid-SIM von Orange. Was die Tarife kosten und wann deine deutsche SIM reicht, steht in unserem Artikel zur SIM-Karte für Spanien.
Ohne Starlink hängst du am Mobilfunk. Mit deutscher SIM gilt EU-Roaming bis zur Fair-Use-Grenze deines Tarifs, bei einem 30-Euro-Tarif sind das 2026 mindestens rund 45 GB im Monat. Für tägliche Video-Calls ist das knapp. Eine spanische Prepaid-Karte mit rund 300 GB kostet etwa 20 Euro für 28 Tage. Campingplatz-WLAN würden wir für Calls nicht einplanen. Wie wir Router und Starlink kombinieren, steht in Internet im Wohnmobil.
Strom
Im Winter steht die Sonne tief und die Tage sind kurz, deine Solaranlage liefert deutlich weniger als im Sommer. Mehrere Regentage am Stück, wie wir sie hatten, verschärfen das. Für Laptop, Router und Starlink über den ganzen Arbeitstag brauchst du dann Landstrom oder einen großen Speicher. Auf Campingplätzen ist Strom oft im Preis enthalten, bei der CampingCard ACSI zum Beispiel bis 6 Ampere oder 4 kWh pro Tag. Das reicht fürs Arbeiten, aber nicht für einen Elektro-Heizlüfter. Mehr dazu in unseren Artikeln zu Powerstations und Solar unterwegs.
Heizung und Feuchtigkeit
Wenn es draußen nass und windig ist, sitzt du den Arbeitstag drinnen bei geschlossenen Fenstern. Dann beschlagen Scheiben und Feuchtigkeit sammelt sich an kalten Wänden. Regelmäßig stoßlüften hilft, und die Heizung muss für einen ganzen Tag am Schreibtisch ausgelegt sein, nicht nur für die Abende.
Was kostet ein Winter in Spanien?
Die größten Posten sind Stellplatz, Diesel und Essen, und alle drei hängen stark davon ab, wie viel du fährst und wo du stehst.
Campingplatz: Mit der CampingCard ACSI zahlst du in der Nebensaison feste Preise von 13 bis 27 Euro pro Nacht für zwei Personen, Strom bis 6 A oder 4 kWh pro Tag inklusive. In Spanien machen rund 280 Plätze mit. Die Karte kostet etwa 22 bis 26 Euro im Jahr, und jeder Platz legt selbst fest, in welchen Wochen er sie annimmt. Für einen Monat ergibt das 390 bis 810 Euro. Viele Plätze im Süden bieten eigene Langzeittarife an, die Preise unterscheiden sich stark, deshalb direkt anfragen.
Áreas de autocaravanas: Kommunale Stellplätze sind teils kostenlos oder günstig, meist mit Ver- und Entsorgung, aber ohne Strom und mit begrenzter Aufenthaltsdauer.
Diesel: Anfang November 2026 im Schnitt rund 1,90 Euro pro Liter, deutlich mehr als Ende 2025.
Gas: Eine spanische Flasche tauschen kostete bei uns etwa 20 Euro. Für deutsche Flaschen brauchst du einen Adapter.
Internet: 10 bis 35 Euro für 28 Tage mit spanischer Prepaid-SIM, dazu gegebenenfalls Starlink.
Alle Preise circa, Stand November 2026.
Anreise über Frankreich
Wir sind über Frankreich gefahren. Für viele französische Städte und ihre Umweltzonen brauchst du die Crit’Air-Plakette. Wie das mit dem Wohnmobil läuft, steht in unserem Artikel zur Umweltplakette Frankreich. Wer früh im November startet, hat auf den Plätzen im Süden mehr Auswahl als zur Hauptzeit von Dezember bis Februar.
Häufige Fragen zum Überwintern in Spanien mit dem Wohnmobil
Wo ist es in Spanien im Winter am wärmsten?
Auf den Kanaren mit rund 21 Grad Tageshöchstwert im Januar. Auf dem Festland liegen Almería, Alicante und Málaga bei etwa 17 Grad am Tag, nachts sind es 6 bis 8 Grad.
Was kostet ein Monat Überwintern in Spanien mit dem Wohnmobil?
Allein der Campingplatz kostet mit CampingCard ACSI 390 bis 810 Euro im Monat für zwei Personen inklusive Strom. Dazu kommen Diesel, Gas, Essen und Internet. Langzeittarife einzelner Plätze können günstiger sein.
Sind die Campingplätze in Spanien im Winter voll?
Bei uns waren viele Plätze entweder geschlossen oder überfüllt. Wer einen festen Platz für Dezember bis Februar will, sollte früh reservieren.
Darf man in Spanien mit dem Wohnmobil frei stehen?
Parken und darin übernachten wird oft geduldet, solange du nichts ausklappst. Campen außerhalb von Plätzen ist in der Regel verboten, und Gemeinden können eigene Regeln erlassen. Achte auf Schilder vor Ort.
Spanien oder Portugal zum Überwintern?
Für uns Portugal. Das Wetter war besser, die Atmosphäre angenehmer und camperfreundlicher. Spanien hat die größere Auswahl an Campingplätzen und die größere deutschsprachige Community.



