Ja, du brauchst sie. Wer mit einem Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen in eine französische Umweltzone fährt, braucht die Crit’Air-Plakette. Die deutsche grüne Plakette zählt dort nicht. Bestellen kannst du sie nur auf einer einzigen offiziellen Seite, sie kostet ein paar Euro und gilt, solange sie an der Scheibe klebt.
Wir haben unsere Plakette seit 2025. Was uns in Frankreich aber viel mehr beschäftigt als die Plakette: Unser Wohnmobil wiegt über 3,5 Tonnen. Und für schwere Wohnmobile ist Frankreich ehrlich gesagt anstrengend. Ständig stehen Schilder mit Durchfahrtsverboten und Gewichtsgrenzen am Straßenrand, Tempolimits sind niedriger, und es gibt Aufkleber, die bei leichteren Fahrzeugen niemand braucht. Geblitzt wurden wir übrigens auch. Nicht wegen des Gewichts, sondern innerorts, mit einem Kilometer pro Stunde zu viel.
In diesem Artikel steht, was du für Frankreich wirklich wissen musst, und was sich ändert, wenn dein Wohnmobil die 3,5 Tonnen überschreitet.
Was ist die Crit’Air-Plakette?
Crit’Air ist die französische Umweltplakette. Offiziell heißt sie „certificat qualité de l’air“. Sie teilt Fahrzeuge nach Euro-Norm und Erstzulassung in sechs Klassen ein, von 0 (Elektro, grün) bis 5 (grau). Je niedriger die Zahl, desto mehr Umweltzonen darfst du befahren.
Unser Wohnmobil hat Crit’Air 2, die gelbe Plakette. Welche Klasse deins bekommt, zeigt dir der Bestellvorgang anhand der Daten aus dem Fahrzeugschein.
Wo und wie bestellst du die Plakette?
Nur über certificat-air.gouv.fr. Das ist die einzige offizielle Seite. Bei Google tauchen viele Anbieter auf, die die gleiche Plakette für 20, 30 oder mehr Euro „vermitteln“. Das ist legal, aber unnötig.
- Auf der offiziellen Seite angeben, dass dein Fahrzeug im Ausland zugelassen ist.
- Kennzeichen, Fahrzeugdaten und Erstzulassung eingeben.
- Einen Scan oder ein Foto vom Fahrzeugschein hochladen.
- Bezahlen und auf die Post warten.
Der Preis liegt bei wenigen Euro. Für einen Versand ins Ausland nennen verschiedene Quellen Werte um 4 bis 5 Euro, den genauen Betrag zeigt dir die offizielle Seite beim Bestellen (Stand Oktober 2026). Bei uns war sie günstig, aber sie kam erst drei Wochen nach der Bestellung an. Da waren wir schon unterwegs, sie musste uns nach Frankreich nachgeschickt werden. Bis dahin sind wir ohne Plakette gefahren und haben die Umweltzonen gemieden.
Plane Vorlauf ein. Die Plakette kommt per Post, bei uns hat es drei Wochen gedauert. Bestell sie also nicht erst kurz vor der Abfahrt.
Die Plakette klebt innen an der Windschutzscheibe, unten rechts auf der Beifahrerseite, gut sichtbar von außen. Sie hat kein Ablaufdatum. Wird die Scheibe getauscht, brauchst du eine neue, weil sie sich nicht unbeschädigt ablösen lässt.

Gelten die Umweltzonen 2026 überhaupt noch?
Ja. Frankreich hat 2025 und 2026 lange darüber gestritten, die Umweltzonen (ZFE-m, „zones à faibles émissions“) abzuschaffen. Die Nationalversammlung hat die Abschaffung im April 2026 beschlossen. Der französische Verfassungsrat hat diese Regel am 21. Mai 2026 aber gekippt, aus formalen Gründen. Damit bleiben die Umweltzonen bestehen (Quelle: Weka).
Welche Städte welche Klassen aussperren, ändert sich laufend. Große Städte wie Paris, Lyon, Grenoble und Straßburg haben eigene Regeln, dazu kommen Zonen, die nur bei Smog aktiviert werden. Prüfe die Stadt, in die du willst, kurz vor der Fahrt. Mit Plakette an der Scheibe bist du auf der sicheren Seite, ohne Plakette darfst du in keine aktive Zone.
Wer ohne passende Plakette in einer Umweltzone erwischt wird, zahlt 68 Euro, mit einem Fahrzeug über 3,5 Tonnen 135 Euro.
Über 3,5 Tonnen: Was in Frankreich anders ist
Hier wird es für uns interessant, und hier lassen die meisten Ratgeber dich allein. Ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ist in Frankreich ein anderes Fahrzeug als ein Kastenwagen. Das merkst du an vier Stellen.

Niedrigere Tempolimits
Laut ADAC gelten für Wohnmobile über 3,5 Tonnen (bis 12 Tonnen):
| Straße | Wohnmobil bis 3,5 t | Wohnmobil über 3,5 t |
|---|---|---|
| Autobahn | 130 km/h | 110 km/h |
| Schnellstraße mit Mitteltrennung | 110 km/h | 100 km/h |
| Landstraße | 80 km/h (je nach Département 90) | 80 km/h |
| Innerorts | 50 km/h | 50 km/h |
Der ADAC empfiehlt außerdem Tempo-Aufkleber mit 110, 100 und 80 am Heck. Ob das für ausländische Fahrzeuge Pflicht ist, ist umstritten. Die paar Euro sparen dir aber eine Diskussion bei einer Kontrolle.
Aufkleber „Angles morts“ sind Pflicht
Seit 2021 müssen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in Frankreich vor dem toten Winkel warnen: mit offiziellen „Angles morts“-Aufklebern an beiden Seiten und am Heck. Das gilt auch für deutsche Kennzeichen. Ohne Aufkleber drohen 135 Euro. Der ADAC rät zum Aufkleber mit Bus-Symbol, nicht zu den Varianten mit Wohnmobil-Symbol, weil die nicht der Vorschrift entsprechen.
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Durchfahrtsverbote und Gewichtsgrenzen
Das ist der Teil, der uns im Alltag am meisten genervt hat. In Frankreich stehen auffallend viele Schilder mit 3,5-Tonnen-Grenze: Ortsdurchfahrten, Brücken, enge Küstenstraßen, Zufahrten zu Parkplätzen. Wer mit einem schweren Wohnmobil unterwegs ist, muss deutlich genauer auf die Schilder schauen als mit einem Pkw. Bei uns waren es meistens Ortsdurchfahrten, die für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt waren. Dann heißt es: umdrehen oder außen herum.
Ein Navi mit Lkw- oder Wohnmobil-Profil, in dem du Gewicht, Höhe und Länge hinterlegst, hilft. Es ersetzt aber nicht den Blick auf die Schilder.
Maut
Auf den französischen Autobahnen landen schwere Wohnmobile oft in einer höheren Mautklasse, meist Klasse 3, weil sie über 3 Meter hoch sind. Die Betreiber rechnen unterschiedlich ab. Plane also mit spürbar höheren Mautkosten als mit dem Pkw.
Geblitzt in Frankreich: Was dann passiert
Wir wurden in Frankreich in einer Ortschaft geblitzt. Nach Abzug der Toleranz waren wir genau einen Kilometer pro Stunde zu schnell. Bezahlt haben wir 90 Euro.
Klingt nach Pech, ist aber System: Frankreich zieht unter 100 km/h nur 5 km/h Toleranz ab, und innerorts kostet schon eine kleine Überschreitung den vollen Satz. Wer schnell zahlt, bekommt einen Nachlass, so kamen wir auf die 90 Euro.
Bußgeldbescheide aus Frankreich kommen per Post an den Halter in Deutschland. Ignorieren lohnt sich nicht: Ab 70 Euro können französische Bußgelder in Deutschland über das Bundesamt für Justiz vollstreckt werden. Punkte in Flensburg gibt es dafür nicht (Quelle). Wer schnell zahlt, bekommt in Frankreich oft einen Rabatt.
Frankreich hat viele fest installierte und mobile Blitzer, auch in kleinen Orten. Und mit einem schweren Wohnmobil ist auf der Autobahn bei 110 Schluss, nicht bei 130.
Häufige Fragen
Was kostet die Umweltplakette für Frankreich?
Auf der offiziellen Seite certificat-air.gouv.fr nur wenige Euro inklusive Versand. Drittanbieter verlangen oft ein Vielfaches für dieselbe Plakette.
Wo kann ich die Umweltplakette für Frankreich kaufen?
Offiziell nur online auf certificat-air.gouv.fr. Bestell sie vor der Reise, sie kommt per Post.
Wie lange ist die Crit’Air-Plakette gültig?
Unbegrenzt, solange sie lesbar an der Scheibe klebt und das Fahrzeug nicht verändert wird. Nach einem Scheibentausch brauchst du eine neue.
Wo bringe ich die Plakette an?
Innen an der Windschutzscheibe, unten rechts auf der Beifahrerseite, von außen gut sichtbar.
Gilt die deutsche grüne Plakette in Frankreich?
Nein. Frankreich erkennt nur die eigene Crit’Air-Plakette an.
Brauche ich als Wohnmobil über 3,5 Tonnen noch etwas anderes?
Ja: die „Angles morts“-Aufkleber an beiden Seiten und hinten. Dazu kommen niedrigere Tempolimits und viele Durchfahrtsverbote für schwere Fahrzeuge.



