Das Plastinarium in Guben zeigt echte plastinierte menschliche Körper und Organe in einer Ausstellung, die Anatomie und Produktionsstätte verbindet. Unser Besuch war beeindruckend, lehrreich und hat uns nachhaltig beschäftigt.
Zusammenfassung
Das Plastinarium ist kein klassisches Museum, sondern eine Mischung aus Körperwelten-Ausstellung und gläserner Plastinationswerkstatt auf 3.000 Quadratmetern
Besucher können den Präparatoren bei der Herstellung von Plastinaten zusehen
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag, 10:00 bis 18:00 Uhr; letzter Einlass um 16:00 Uhr (Stand 2026)
Der Rundgang bietet Einblicke in die Anatomie von Menschen und Tieren; ein kostenloser Audioguide führt durch die Ausstellung in drei Sprachen
Im Plastinarium sind sowohl Ganzkörperplastinate als auch Organpräparate ausgestellt; die Körper stammen von Menschen, die zur Körperspende zugestimmt haben
Wichtige Hinweise
Disclaimer: Im Plastinarium in Guben werden plastinierte tote Menschen und Tiere gezeigt, darunter ganze Körper, freigelegte Körperteile, Organe und Schnittpräparate. Die Darstellungen sind realistisch. Wer weiß, dass er oder sie Abbildungen und Exponate von Verstorbenen nicht verträgt, sollte den Besuch und auch die weitere Lektüre dieses Artikels bewusst abwägen. Nachfolgend sind Bilder plastinierter Menschen und Tiere zu sehen.
Unsere Kernaussage: Der Umgang mit den Plastinaten ist respektvoll und ästhetisch. Der Aufbau vermittelt Wissen auf hohem Niveau, ohne Effekthascherei. Für uns war dieser Besuch einer der eindrucksvollsten Museumsbesuche der letzten Jahre.

Was ist das Plastinarium in Guben?
Das Plastinarium in Guben ist ein anatomisches Kompetenzzentrum und zugleich Produktionsstätte der Gubener Plastinate GmbH. Gunther von Hagens gründete es vor 20 Jahren in der Kleinstadt Guben im Bundesland Brandenburg. Nach aufwendigem Umbau einer ehemaligen Tuchmacherei-Fabrikhalle an der Uferstraße 26 entstand eine Ausstellungsfläche von rund 3.000 Quadratmetern, die Anatomieausstellung mit Produktionsstätte verbindet.
Besucher erwartet eine Mischung aus Körperwelten-Atmosphäre und dem Blick hinter die Kulissen: ästhetische Ganzkörperplastinate neben der technischen Herstellung von Lehrpräparaten. Hier werden Plastinate für medizinische Ausbildung, Universitäten und Körperwelten-Ausstellungen weltweit produziert. Die Stadt Guben liegt direkt an der Neiße gegenüber von Gubin in Polen und ist per Bahn aus Berlin und Cottbus erreichbar. Wie sich Deutschland insgesamt als Reise- und Remote-Work-Ziel schlägt, haben wir in unserem Deutschland-Länderguide aufgeschrieben.
Plastination und Gunther von Hagens
Die Technik der Plastination hilft, das Plastinarium einzuordnen. Beim Plastinieren werden Körperflüssigkeiten und Fett durch Kunststoffe wie Silikon ersetzt, um Körper und Organe dauerhaft zu konservieren. Das Ergebnis: geruchlose, detailreiche Präparate, die anatomische Strukturen so zeigen, wie es herkömmliche Prozesse nicht ermöglichen. Gunther von Hagens entwickelte dieses Verfahren ab 1977 am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg und meldete Patente an, bevor er das Institut für Plastination gründete.
Zu seiner Karriere gehört eine bewegte Biografie: geboren 1945 in der Nähe von Posen, Medizinstudium in Jena ab 1965, politische Haft nach einem Fluchtversuch aus der DDR 1968, Freikauf durch die Bundesrepublik, anschließende Promotion in Heidelberg. Als Plastinator prägte er die Vermittlung von Anatomie an Laien und Ärzten gleichermaßen. Sein Lebenswerk beeinflusste Millionen Besucher weltweit. Von Hagens war mehrmals im Jahr im Plastinarium, um Prozesse zu begleiten und Plastinate zu begutachten. Gubens Bürgermeister nannte ihn einen Visionär.
Die Präsentation plastinierter Menschen löste ethische Diskussionen über Menschenwürde und den Umgang mit dem Tod aus. Das Plastinarium in Guben begegnet dem durch Transparenz und sachliche Darstellung.
Gunther von Hagens verstarb im Juli 2026 im Alter von 81 Jahren. Er litt an einer Parkinson-Erkrankung. Er wollte seinen Körper nach dem Tod plastinieren lassen; laut der Präparatorin vor Ort wird dieser Wunsch erfüllt. Seine Frau Angelina Whalley und das Team führen sein Werk für die Nachwelt fort.

Unser Besuch im Plastinarium Guben: Eindrücke und Ablauf
Wir besuchten das Plastinarium im August 2026. Der Rundgang beginnt mit Infotafeln zur Geschichte der Anatomie und verschiedenen Präparationstechniken; unter anderem sind acht Pferdeköpfe ausgestellt, die unterschiedliche historische Konservierungsmethoden zeigen.
Danach folgen menschliche Ganzkörperplastinate in dynamischen Posen, Organpräparate und filigrane Gefäßdarstellungen. Großplastinate von Tieren, etwa eine Giraffe in Lebensgröße, ergänzen die Ausstellung. Die Schönheit und gleichzeitige Verletzlichkeit des menschlichen Körpers wird sichtbar, ohne dass Sensationslust bedient wird. Die Infotafeln sind dreisprachig (Deutsch, Polnisch, Englisch), was auch für Schüler und Studenten aus Polen die Existenz einer echten Lernwerkstatt schafft.
Das Highlight: In der gläsernen Präparationswerkstatt konnten wir einer Präparatorin über die Schulter schauen. Feine Einblicke in die Arbeit unter der Lupe, der Umgang mit Gewebe, die einzelnen Schritte vom Präparieren bis zum fertigen Plastinat. Die Mitarbeiterin beantwortete Fragen geduldig. Besucher verhielten sich ruhig und respektvoll. Jedes Exponat ist ein Unikat; die Gelegenheit, diese Unikate aus der Nähe zu studieren, gibt es sonst kaum.

Praktische Infos: Öffnungszeiten, Eintritt und Service
Das Plastinarium hat von Freitag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr. Der letzte Einlass ist um 16:00 Uhr (Stand 2026). Zeiten können sich ändern; prüft sie vorab auf der offiziellen Website.
Der Eintritt kostet regulär 15,00 EUR, ermäßigt 12,00 EUR. Ermäßigungen gelten für Schüler, Azubis, Studenten, Heilberufler mit Lehrausweis, Rentner und Erwerbslose. Der Familienpreis liegt bei 42 EUR. Freier Eintritt gilt für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr, registrierte Körperspender und Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung (Kennzeichnung B). Ein kostenloser Audioguide mit rund 50 Stationen ist in drei Sprachen verfügbar.
An der Kasse gibt es eine Souvenirecke mit Büchern, Postkarten und Informationen. Der Parkplatz direkt gegenüber des Eingangs ist kostenlos und groß genug für Reisebusse. Wohnmobile dürfen bis zu zwei Tage in der hinteren Reihe stehen. Die Ausstellung ist weitgehend ebenerdig. Vom Gubener Bahnhof aus sind es rund fünf Minuten zu Fuß. Wir brauchten etwa 2 Stunden für den gesamten Besuch; Foto-Regelungen beachtet ihr am besten vor Ort. Grundsätzlich dürft ihr für den Privatgebrauch fotografieren, es gibt aber Bereiche, wo auch das nicht erlaubt ist. Achtet beim Fotografieren immer auf die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden und schätzt eure Umgebung! Unser Artikel sowie die Fotos für unseren Blog und Instagrambeitrag sind mit freundlicher Genehmigung des Plastinariums entstanden.
Plastinarium Guben im Kontext: Wissenschaft, Ethik und Tourismus
Das Plastinarium ist mehr als eine Ausstellung. Es liefert Lehrpräparate an Universitäten und Kliniken weltweit und bietet Ärzten, Studenten in der Weiterbildung und Forschungsmöglichkeiten auf einem Niveau, das herkömmliche Anatomie-Präparate nicht erreichen. Rund 95 Prozent der hier hergestellten Plastinate gehen an medizinische Einrichtungen; nur ein kleiner Teil fließt in die Körperwelten Ausstellungen.
Das Körperspender-Programm des Instituts für Plastination beruht auf freiwilliger Einwilligung zu Lebzeiten. Trotzdem gibt es Diskussionen über die Grenzen wissenschaftlicher Darstellung. Das Plastinarium in Guben versucht, durch Transparenz Vertrauen zu schaffen.
Touristisch ist das Unternehmen ein Anziehungspunkt für die Region: Über 120 Mitarbeitende sind am Standort im Bundesland Brandenburg tätig. Besucher aus Deutschland, Polen und weiteren Ländern reisen an; Gastronomie und Hotellerie in der Stadt profitieren.
Für anatomisch Interessierte, medizinische Laien, Schule und Familie ist das Plastinarium ein fordernder, aber lohnender Lernort. Wer Wissen über den eigenen Körper sucht und die Verletzlichkeit menschlicher Existenz aushalten kann, findet hier eine Gelegenheit, die es in dieser Form kein zweites Mal in der Medizin gibt. Bereitet euch innerlich vor.

FAQ zum Plastinarium in Guben
Die folgenden Fragen ergänzen die Informationen im Haupttext. Preise und Öffnungszeiten können sich ändern; prüft zusätzlich die offizielle Quelle auf der Website des Plastinariums.
Ist das Plastinarium in Guben für Kinder geeignet?
Das Plastinarium ist keine Freizeitattraktion, sondern eine anatomische Ausstellung mit realen toten Körpern. Wir empfehlen den Besuch eher für interessierte Jugendliche ab etwa 12 bis 14 Jahren, je nach Reifegrad. Eltern sollten vorab mit ihren Kindern besprechen, was sie erwartet. Manche Darstellungen können emotional belasten. Kinder unter 14 Jahren dürfen nur in Begleitung eines verantwortlichen Erwachsenen eintreten.
Darf man im Plastinarium fotografieren oder filmen?
Beachtet die Hinweise und Beschilderung vor Ort und fragt im Zweifel das Personal. Auf Blitz- und Selfie-Fotos mit Plastinaten solltet ihr verzichten. Grundsätzlich ist das Fotografieren für private Zwecke erlaubt.
Wie erreiche ich das Plastinarium in Guben am besten?
Guben ist per Bahn aus Cottbus und Berlin erreichbar. Vom Bahnhof sind es rund fünf Minuten zu Fuß zur Uferstraße 26. Mit dem Auto gelangt ihr über die B97 und B112 nach Guben. Der kostenlose Parkplatz direkt gegenüber dem Eingang ist groß und für Wohnmobile geeignet; diese dürfen bis zu zwei Tage in der hinteren Reihe stehen.
Wie lange sollte man für den Besuch einplanen?
Mindestens zwei Stunden, besser 2,5 bis 3 Stunden, wenn ihr euch Zeit für die Infotafeln und die Präparationswerkstatt nehmen wollt. Wer sich intensiv mit den Exponaten beschäftigt, kann auch länger verweilen.
Kann ich Tickets vorab reservieren oder muss ich spontan kommen?
Spontane Besuche zu den regulären Öffnungszeiten sind in der Regel möglich. Für größere Gruppen ab zehn Personen oder Schulklassen empfehlen wir, rechtzeitig Kontakt aufzunehmen und eine Führung zu buchen. Gruppenführungen sind auch außerhalb der regulären Zeiten möglich.
