Wir produzieren Podcasts für Unternehmen. Aufnahmen, Schnitt, Abnahmen mit Kunden, Vorgespräche, Nachbearbeitung. Das meiste davon passiert nicht in einem Büro, sondern in einem Eura Mobil Profila 726 EF auf Sprinter-Basis, mit dem wir rund 40.000 Kilometer im Jahr unterwegs sind. Zu zweit, plus Hund.
Dieser Artikel ist keine Liste mit Gadgets. Die gibt es hier schon. Er beantwortet die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, wenn jemand auf dem Stellplatz neben uns sieht, dass wir um neun Uhr morgens mit Headset am Tisch sitzen: Wie geht das wirklich, jeden Tag, mit Kunden, die pünktlich im Call sein wollen, und Aufnahmen, die nicht klingen dürfen wie aus einer Blechkiste?
Der Arbeitsplatz: zwei Leute, ein Tisch, eine Regel
Das Fahrzeug hat einen Arbeitsplatz, an dem man acht Stunden sitzen kann, und das ist der Tisch der Sitzgruppe. Nicht der Beifahrersitz, nicht das Bett. Wer schon einmal einen Tag lang mit dem Laptop auf den Knien gearbeitet hat, weiß, warum wir das so eng sehen: Der Rücken meldet sich nach drei Tagen, nicht nach drei Wochen.

Am Tisch steht ein faltbarer Laptop-Ständer, davor Tastatur und Maus per Bluetooth, daneben ein portabler Monitor als zweiter Bildschirm. Das ist das Minimum, mit dem sich ein Arbeitstag ohne Nackenschmerzen durchhalten lässt, und es passt in eine Tasche, wenn der Tisch abends wieder Esstisch ist.
Die eine Regel, die wir uns gegeben haben, betrifft uns beide: Wer im Call oder in der Aufnahme ist, hat den Ton. Meistens sitzen wir ohnehin gemeinsam im Call, weil wir dieselben Kunden betreuen. Wenn nur einer gebraucht wird, hält sich der andere zurück und arbeitet an etwas, das ohne Ton geht. Dass das auf sieben Metern überhaupt funktioniert, liegt an zwei Dingen, die wir heute nicht mehr hergeben würden: Kopfhörer mit gutem Noise Cancelling für beide. Sie sind die eigentliche Wunderwaffe für Arbeit zu zweit auf engem Raum, wichtiger als jeder Monitor.

Internet: Starlink ist die Hauptleitung, die SIM ist das Sicherheitsnetz
Das ist der Teil, an dem die meisten scheitern, und wir sind lange genug daran gescheitert, um es heute anders zu machen.
Unsere Hauptverbindung ist Starlink Mini. Nicht, weil es das billigste ist, sondern weil es das einzige ist, das auf einem Stellplatz in Nordschweden genauso funktioniert wie auf dem Peloponnes. Der Aufbau dauert zwei Minuten, die Antenne steht draußen mit freier Sicht zum Himmel, und die Verbindung ist stabil genug für Videocalls und für den Upload einer Aufnahme am Abend.
Als Backup läuft immer eine lokale SIM-Karte in einem Reiserouter. Nicht die deutsche Karte mit EU-Roaming, sondern eine Karte aus dem Land, in dem wir gerade stehen. Der Grund ist einfach: EU-Roaming hat Datenobergrenzen, die ein Arbeitstag mit Videocalls in zwei Tagen aufbraucht, und außerhalb der EU, in Albanien oder Montenegro, gibt es das Roaming schlicht nicht. Welche Karte in welchem Land die richtige ist, haben wir für Albanien, Italien und Polen ausführlich aufgeschrieben.
Die wichtigere Lektion ist aber nicht die Hardware, sondern eine Arbeitsregel: Nichts Wichtiges darf von einer einzigen Verbindung abhängen. Ein Kunden-Call wird nie über die Verbindung geführt, die gerade als einzige funktioniert. Wenn Starlink hinter Bäumen steht und die SIM nur ein Balken hat, verschieben wir den Call, statt zu hoffen. Das klingt hart, aber ein abgebrochener Call mit einem Geschäftsführer kostet mehr als eine ehrliche Verschiebung am Vortag.
Aus derselben Regel folgt unsere Software-Auswahl. Alles, was wir für die Produktion brauchen, muss offline funktionieren: Schnitt, Transkription, Audiobearbeitung. Wir haben uns bewusst gegen Werkzeuge entschieden, die für jeden Arbeitsschritt eine Cloud brauchen, weil es Tage gibt, an denen es keine gibt. Die Fähre von Bari nach Patras ist so ein Tag. Wir wissen vorher, dass er kommt, und bereiten ihn vor: Was auf der Überfahrt geschnitten werden soll, liegt am Abend davor offline auf dem Rechner, und was Internet braucht, ist erledigt oder wartet bis zur Ankunft. Längere Offline-Zeiten sind kein Ausfall, sondern ein Termin im Kalender, auf den man hinarbeitet.
Strom: Der Tag wird um das Laden herum geplant
Die zweite Frage nach dem Internet ist immer die nach dem Strom, und die ehrliche Antwort lautet: Strom ist kein Problem, solange man ihn plant, und ein großes, sobald man es nicht tut.
Das Fahrzeug hat 300 Ah Batteriekapazität und 475 Watt Solar auf dem Dach. An einem Tag mit Sonne deckt das den kompletten Arbeitstag für zwei Personen ab, inklusive Starlink, Monitor und Laden aller Geräte, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Dazu kommt eine EcoFlow Delta Max Powerstation mit 2.016 Wattstunden als Reserve für Produktionstage, an denen Kamera und Licht dazukommen.
Für die Tage ohne Sonne haben wir eine Entscheidung getroffen, die sich mehr ausgezahlt hat als jedes zusätzliche Solarpanel: Alle unsere Geräte sind über USB-C ladbar. Laptops, Monitor, Router, Mikrofone, Kamera-Akkus. Das heißt, wir können den Arbeitstag notfalls komplett aus Powerbanks bestreiten, und die laden während der Fahrt. Fahrtzeit ist Ladezeit: Alles, was einen Akku hat, hängt unterwegs am Strom. Und an Tagen, an denen wir wissen, dass viel produziert wird, suchen wir uns von vornherein einen Platz mit Landstrom, statt es auf die Reserve ankommen zu lassen.
Hitze und Kälte: Der Punkt, an dem Technik einfach ausfällt
Was in keinem Video über das Arbeiten unterwegs vorkommt: Bei rund 40 Grad Innentemperatur schaltet sich unsere Produktionstechnik ab. Nicht langsam, sondern von einem Moment auf den anderen, mitten in der Aufnahme. Gelernt haben wir das nicht im Süden, sondern im Sommer 2026 in München, und seitdem gilt für Sommertage eine einfache Regel: Ein Produktionstag findet auf einem beschatteten Stellplatz mit Stromanschluss statt oder gar nicht. Ventilatoren am Dachfenster helfen dem Menschen, nicht dem Rechner.
Im Winter ist es umgekehrt einfacher. Thermomatten im Fahrerhaus, die Heizung des Fahrzeugs, und ein Standort, der die Kälte gar nicht erst hat. Den vergangenen Winter haben wir in Griechenland verbracht und von dort gearbeitet, den kommenden werden wir wieder dort verbringen. Nicht als Auszeit, sondern weil ein Arbeitstag bei 15 Grad auf dem Peloponnes schlicht besser läuft als bei minus fünf auf einem Stellplatz im Sauerland.
Termine: Das Fahrzeug folgt dem Kalender, nicht umgekehrt
Das ist der Punkt, an dem sich unsere Arbeitsweise am meisten von dem unterscheidet, was man sich unter „Arbeiten aus dem Wohnmobil“ vorstellt. Wir fahren nicht irgendwohin und schauen, ob wir dort arbeiten können. Wir haben Kundentermine, Aufnahmen vor Ort und Branchenveranstaltungen im Kalender, und die Route entsteht daraus.
Ein typischer Herbst sieht so aus: Ein Termin in München, ein paar Wochen später Berlin, dann Hamburg, dazwischen am Wochenende der Standortwechsel. Im Frühjahr die Latitude59 in Tallinn und die Login in Vilnius, die beiden großen Tech-Konferenzen des Baltikums, zu denen wir mit dem Fahrzeug anreisen, weil das Produktionsequipment mitfährt. Wo wir zwischen den Terminen stehen, ergibt sich aus der Strecke. Was wir dort tun, ist dasselbe wie überall: arbeiten.

Das hat einen Nebeneffekt, den wir erst nach einer Weile verstanden haben. Der Kalender ist das Rückgrat des ganzen Modells. Ein Termin, der vorher feststeht, entscheidet, wann wir fahren, wo wir Strom und Internet brauchen und wann Aufnahmen stattfinden können. Ohne diese Struktur wird aus Arbeiten unterwegs schnell Unterwegssein mit gelegentlichem Arbeiten, und das ist ein anderes Leben, als wir es führen.
Was nicht funktioniert
Damit dieser Artikel nicht wie eine Werbung fürs Wohnmobil klingt, die Liste der Dinge, die wir aufgegeben oder anders gelöst haben:
Aufnahmen bei Regen. Ein Sprinter-Aufbau ist eine Trommel. Wenn es regnet, wird nicht aufgenommen, egal wie gut das Mikrofon ist. Wir verschieben.
Aufnahmen auf vollen Stellplätzen. Nachbarn, Generatoren, spielende Kinder. Für Aufnahmen suchen wir Plätze, an denen wir allein stehen, oder wir nehmen beim Kunden vor Ort auf.
Spontane Arbeitstage. Der Gedanke, morgens zu entscheiden, wo man heute arbeitet, ist romantisch und in der Praxis der Grund für die meisten Ausfälle. Wir wissen am Abend vorher, wo wir am nächsten Tag stehen, ob es dort Strom gibt und wie das Netz ist.
Zwei Calls gleichzeitig. Siehe oben. Geht nicht, haben wir mehrfach versucht.
Häufige Fragen
Reicht Starlink Mini für Videocalls und Uploads?
Für Videocalls ja, für den Upload einer Stunde Rohmaterial am Abend ebenfalls. Was nicht geht: die Antenne unter Bäumen aufstellen und sich wundern. Freie Sicht zum Himmel ist Pflicht, in Europa vor allem Richtung Norden.
Braucht man wirklich eine lokale SIM, wenn man Starlink hat?
Ja. Starlink fällt aus, wenn die Sicht fehlt, und es gibt Länder, in denen die Nutzung eingeschränkt ist. Die lokale Karte ist an solchen Tagen die einzige Verbindung, und sie kostet in den meisten Ländern weniger als ein Mittagessen.
Wie viel Strom braucht ein Arbeitstag?
Mit 300 Ah und 475 Watt Solar ist ein normaler Arbeitstag zu zweit bei Sonne komplett abgedeckt. Ohne Sonne arbeiten wir aus Powerbanks, weil alle Geräte USB-C laden. Ein Produktionstag mit Kamera und Licht braucht deutlich mehr, deshalb: Fahrtzeit ist Ladezeit, Produktionstage an den Landstrom.
Geht das zu zweit dauerhaft?
Zu zweit ja, wenn beide dieselbe Regel akzeptieren: Wer Ton braucht, hat Vorrang, der andere weicht aus. Zu dritt würden wir es nicht empfehlen.
Wie sieht der Arbeitsplatz genau aus?
Sitzgruppe, Laptop-Ständer, externe Tastatur und Maus, portabler Monitor, Headset. Kein Bürostuhl, kein Stehschreibtisch, keine Fahrerhaus-Lösung. Alles, was länger als eine Stunde am Stück genutzt wird, muss ergonomisch sein, sonst hält man es nicht durch.


