Die Maut in Portugal hat einen Ruf wie Donnerhall — elektronische Erfassung ohne Schranken, Bezahlsysteme mit kryptischen Namen, und Bußgelder, die Monate später im deutschen Briefkasten landen. Die gute Nachricht: Seit 2025 ist vieles davon Geschichte. Portugal hat die Maut auf einem großen Teil der berüchtigten elektronischen Autobahnen komplett abgeschafft — inklusive der A22 entlang der Algarve.
Dieser Guide erklärt den Stand 2026: welche Autobahnen noch kosten, wie ihr als Durchreisende am einfachsten bezahlt, und die eine Falle, die Camper und Wohnmobile besonders trifft.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit Januar 2025 mautfrei: die früheren Elektronik-Autobahnen (Ex-SCUT), darunter die A22 (Algarve), A23, A24, A28 sowie Abschnitte der A4 und A25 — seit April 2026 sind weitere Abschnitte dazugekommen.
- Weiterhin kostenpflichtig: die großen Nord-Süd-Achsen wie die A1 (Lissabon–Porto) und A2 (Lissabon–Algarve) — teils mit klassischen Mautstationen.
- Einfachste Lösung für Durchreisende: EasyToll — an vier Grenz-Terminals die Kreditkarte mit dem Kennzeichen verknüpfen, gilt 30 Tage.
- Camper-Falle: Fahrzeuge über 1,10 m Höhe an der Vorderachse zahlen als Klasse 2 fast das Doppelte — das trifft praktisch jeden Kastenwagen und jedes Wohnmobil.
- Nicht bezahlen ist teuer: Mindestbußgeld 25 €, die Forderungen kommen zuverlässig auch nach Deutschland.
Die große Änderung: Diese Autobahnen sind jetzt mautfrei
Portugal hatte jahrelang zwei Mautsysteme parallel: klassische Mautstationen mit Schranke und die rein elektronischen Ex-SCUT-Strecken, auf denen nur Kameras das Kennzeichen erfassen. Genau diese elektronischen Strecken waren die Touristenfalle Nummer eins — wer das System nicht kannte, fuhr ahnungslos gebührenpflichtig.
Zum 1. Januar 2025 hat Portugal die Maut auf diesen Strecken abgeschafft, im April 2026 kamen weitere Abschnitte dazu:
- A22 — die komplette Algarve-Autobahn von Castro Marim bis Lagos
- A23 — Torres Novas–Guarda (Landesinneres)
- A24 — Viseu–Chaves (Richtung spanische Grenze Nord)
- A25 — Aveiro–Vilar Formoso (die klassische Einreiseroute aus Spanien über Salamanca) — seit 2026 vollständig mautfrei
- A28 — Porto–Viana do Castelo (Abschnitte)
- A4 — Abschnitte im Nordosten
Was das praktisch heißt: Wer aus Spanien über Vilar Formoso (A25) einreist oder an der Algarve (A22) unterwegs ist, fährt auf diesen Strecken inzwischen komplett kostenlos. Viele ältere Reiseartikel und Foreneinträge erklären noch ausführlich das Bezahlen auf genau diesen Strecken — diese Infos sind veraltet.
Diese Strecken kosten weiterhin
| Strecke | Route | System | Kosten PKW (ca.) |
|---|---|---|---|
| A1 | Lissabon–Porto | Mautstationen | ca. 23–25 € |
| A2 | Lissabon–Algarve | Mautstationen | ca. 22–24 € |
| A6 | Marateca–Elvas (Grenze Badajoz) | Mautstationen | ca. 15 € |
| A8 | Lissabon–Leiria (Küstenroute) | gemischt | ca. 10–12 € |
| Brücken Lissabon | Ponte 25 de Abril, Vasco da Gama | elektronisch/Station | ca. 2–4 € (stadteinwärts) |
Preise Stand Juli 2026 für Klasse 1 (normale PKW). An klassischen Mautstationen zieht ihr ein Ticket und zahlt am Ende der Strecke — Kreditkarte und Bargeld funktionieren, die reine Kartenspur ist mit „Vias Verdes“ beschildert und für Fahrzeuge mit Transponder reserviert (grünes „V“ — nicht ohne Transponder durchfahren!).
Die Camper-Falle: Klasse 2 ab 1,10 m Höhe
Portugals Mautklassen richten sich nicht nach Gewicht, sondern nach der Höhe über der Vorderachse. Die Grenze liegt bei 1,10 m — und darüber liegt praktisch jedes Wohnmobil, jeder ausgebaute Kastenwagen und die meisten SUV-Camper mit Dachaufbau.
- Klasse 1: PKW unter 1,10 m Höhe an der Vorderachse
- Klasse 2: Fahrzeuge über 1,10 m, zwei Achsen — das sind fast alle Camper. Kostet grob das 1,7- bis 2-Fache der Klasse 1
- Klasse 4: über 1,10 m mit mehr als zwei Achsen (große Wohnmobile mit Doppelachse)
Für die Strecke Lissabon–Porto (A1) heißt das: statt ~24 € zahlt ein Camper rund 40–45 €. Wer Zeit hat, fährt die parallele N1/IC2 oder die Küstenstraßen — landschaftlich ohnehin die schönere Wahl und für Vanlife-Reisende meist die bessere Route. Die Autobahn lohnt sich vor allem für schnelle Transfers.
Bezahlen als Ausländer: Die vier Wege
1. EasyToll — die einfachste Lösung für Durchreisende
An vier Grenzübergängen stehen „Welcome Points“: Automaten, an denen ihr eure Kredit- oder Debitkarte mit dem Kennzeichen verknüpft. Danach werden alle elektronischen Mautgebühren 30 Tage lang automatisch abgebucht — ihr müsst nichts weiter tun.
- A28: Viana do Castelo (Einreise Nordwesten)
- A24: Chaves (Einreise Nord)
- A25: Vilar Formoso / Alto do Leomil (Einreise über Salamanca)
- A22: Vila Real de Santo António / Castro Marim (Einreise Algarve aus Andalusien)
Den Beleg unbedingt aufbewahren. Wichtig: EasyToll deckt die elektronischen Strecken ab — an klassischen Mautstationen (A1, A2) zahlt ihr weiterhin normal am Häuschen.
2. Via Verde Visitors — der Transponder für Vielfahrer
Das portugiesische Transponder-System, als Leihgerät für Besucher. Kostet eine kleine Leihgebühr (ca. 6 € erste Woche plus Kaution), funktioniert dafür überall — auch an den Schranken-Stationen, wo ihr einfach durch die grüne Spur rollt. Lohnt sich ab etwa zwei Wochen Aufenthalt mit regelmäßiger Autobahnnutzung. Erhältlich online oder an Via-Verde-Stores (u.a. Flughäfen Lissabon/Porto).
3. TollCard — Prepaid zum Freirubbeln
Prepaid-Guthaben (5–40 €), das ihr per SMS mit dem Kennzeichen aktiviert. Erhältlich an Postämtern (CTT) und einigen Tankstellen. Funktioniert, ist aber umständlicher als EasyToll — sinnvoll vor allem, wenn ihr nicht über einen der vier Welcome Points einreist und keine Lust auf den Transponder habt.
4. Nachträglich zahlen an der Post
Elektronische Mautgebühren lassen sich frühestens 48 Stunden, spätestens 5 Werktage nach der Fahrt an jedem portugiesischen Postamt (CTT) mit dem Kennzeichen bezahlen. Das ist der Rettungsanker, wenn ihr versehentlich eine kostenpflichtige elektronische Strecke gefahren seid — funktioniert aber logischerweise nur, solange ihr noch im Land seid.
Was passiert, wenn ihr nicht zahlt?
Die Kameras erfassen jedes Kennzeichen, auch deutsche. Unbezahlte Gebühren werden über europäische Halterabfragen eingetrieben — die Zahlungsaufforderung kommt Monate später per Post, mit Bearbeitungsgebühren, die die ursprüngliche Maut um ein Vielfaches übersteigen. Das Mindestbußgeld liegt bei 25 € pro Vorgang, dazu kommt die Maut selbst plus Verwaltungskosten. Bei Mietwagen bucht der Vermieter zusätzlich eigene Servicegebühren ab.
Kurz: Ignorieren ist die teuerste Option. Selbst wer nur einmal versehentlich eine Mautstrecke erwischt, fährt mit der CTT-Nachzahlung oder EasyToll deutlich günstiger.
Mautfrei durch Portugal: Geht das?
Ja — besser als je zuvor. Mit den mautfreien Ex-SCUT-Strecken plus Nationalstraßen lässt sich Portugal komplett ohne Mautkosten bereisen:
- Einreise: über die A25 (Vilar Formoso) oder die A22 (Algarve) — beide mautfrei
- Nord–Süd ohne Maut: N2 — Portugals legendäre „Route 66″ von Chaves nach Faro, 739 km Landstraße einmal längs durchs Land. Für Camper eine der schönsten Strecken Europas
- Küste: N125 (Algarve) und die Atlantikstraßen statt A2/A8
- Zeitfaktor: Rechnet grob mit der anderthalb- bis doppelten Fahrzeit gegenüber der Autobahn — auf Reisen mit Zeit kein Verlust, sondern Gewinn
Häufige Fragen zur Maut in Portugal
Ist die Algarve-Autobahn A22 noch mautpflichtig?
Nein. Die A22 ist seit dem 1. Januar 2025 auf ganzer Länge mautfrei — von Castro Marim an der spanischen Grenze bis Lagos. Ältere Artikel, die das Bezahlen auf der A22 erklären, sind überholt.
Brauche ich in Portugal eine Vignette?
Nein, Portugal hat keine Vignette. Bezahlt wird pro gefahrener Strecke — entweder an klassischen Mautstationen oder elektronisch per Kennzeichenerfassung auf den verbliebenen kostenpflichtigen Strecken.
Was kostet die Maut von Lissabon nach Porto?
Auf der A1 rund 23–25 € für PKW (Klasse 1), für Camper über 1,10 m Höhe (Klasse 2) etwa 40–45 €. Mautfreie Alternative: N1/IC2 oder die Küstenrouten mit etwa der doppelten Fahrzeit.
Wie bezahle ich die elektronische Maut mit deutschem Kennzeichen?
Am einfachsten per EasyToll: an einem der vier Grenz-Terminals (A28, A24, A25, A22) die Kreditkarte mit dem Kennzeichen verknüpfen — gilt 30 Tage, alles läuft automatisch. Alternativ Via-Verde-Leihtransponder, TollCard oder Nachzahlung am Postamt binnen 5 Werktagen.
Zahlen Wohnmobile in Portugal mehr Maut?
Ja, fast immer. Entscheidend ist die Höhe über der Vorderachse: über 1,10 m gilt Klasse 2 mit etwa dem 1,7- bis 2-fachen PKW-Tarif. Das betrifft praktisch alle Kastenwagen und Wohnmobile. Doppelachser fallen in Klasse 4 und zahlen noch mehr.
Fazit
Die portugiesische Maut hat ihren Schrecken verloren: Die tückischen Elektronik-Strecken sind größtenteils abgeschafft, und für den Rest reicht ein Stopp am EasyToll-Terminal bei der Einreise. Camper sollten die Klasse-2-Falle kennen und bei Zeit im Gepäck ohnehin die Nationalstraßen fahren — die N2 einmal längs durch Portugal ist der schönere Weg, und sie kostet nichts.
Weitere Guides für eure Route
- Umweltplakette Frankreich (Crit’Air): Pflicht auf der Anreise
- Mit dem Wohnmobil in Spanien überwintern
- SIM-Karte Spanien: Mobiles Internet für die Durchreise