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Unser Start ins Camperleben – Große Veränderungen starten mit kleinen Ideen.

Für uns begann die Idee vom Camperleben vor circa ziemlich genau 10 Jahren im August 2012.

Wir hatten damals noch keine Ahnung wohin uns unsere “neue” Urlaubsart führen würde, aber wir dachten, wir versuchen es mal mit dem Zelt durch den Norden Deutschlands. Nach einem Fußballspiel, welches wir uns in Hamburg bei einem der dort ansässigen Vereine angesehen haben, sind wir mit unserem Zweisitzer-Cabrio, bepackt bis unters Dach, auf die Ostseeinsel Fehmarn gefahren und haben die ersten Erfahrungen auf einem Campingplatz gesammelt.

Eigentlich recht klassisch. Wir hatten ein Iglu-Zelt, eine Luftmatratze, die zweimal am Tag aufgepumpt werden musste und ein paar uralte Schlafsäcke dabei. Das war unser Camping-Setup.

Inspiriert von anderen Campern, welche wir genau beobachtet haben, mussten wir hier schnell aufrüsten. Da wir uns die ersten Tage nur von Dosen und Kioskessen ernährt haben, beschlossen wir, beim nahegelegenen Supermarkt in einen (eigentlich) einmal Grill zu investieren. Wir wussten allerdings noch nicht, dass dieser uns viele Jahre begleiten würde. Also waren wir schon mal um einen Grill reicher und das Camperleben begann uns mehr und mehr zu gefallen.

 

Wie ein Geheimtipp auf der Insel zum Glücksgriff wurde

Als mehr oder weniger (meistens weniger) erfolgreicher Angler wollte ich auch hier mein Glück versuchen. Also ging es zum nächsten Angelshop und mit einem Fischereischein und völlig falschem Equipment zu einem Ort, den uns der Verkäufer als Geheimtipp empfohlen hat. 

Motiviert bis zum Gehtnichtmehr suchte ich mir eine für meine Augen geeignete Stelle und warf meine Angel aus. Einige Stunden vergingen, Vera saß mit einem Buch am Ufer und las. Als es bereits dunkel wurde und die “Sperrstunde” des Campingplatzes immer näher rückte, kam sie zu mir, um meinen Fang zu begutachten und die Beute für das Abendessen in Augenschein zu nehmen. Es gab eine Plastiktüte, zwei alte Netze und ein paar Algen, welche ich todesmutig aus der Brandung gezogen habe.

Da die Kombination für uns kein nahrhaftes Gericht ergeben hat, beschlossen wir, alles in die passend am Parkplatz stehenden Container zu entsorgen und auf dem Weg zurück zum Campingplatz etwas Fisch am Hafen zu kaufen. Doch durch den Sonnenuntergang an der Küste, das trotz der späten Abendstunde angenehm warme Wetter und die einfach herrliche Gesamtstimmung fiel es mir wirklich schwer, diesen schönen Ort zu verlassen. 

“Was machen die denn da?” Eine Begegnung mit Folgen

Auf dem Weg zurück zum Auto fiel mir ein blauer VW Bus auf. Er hatte reichlich rostige Flächen auf der Fahrzeugseite und war nicht mehr in bester Verfassung. Aber das war es nicht, was mich genauer hinblicken ließ. Eher war es das Lagerfeuer, welches in einer alten Waschmaschinentrommel prasselte und die Musik, die aus der offenen Schiebetür zu uns rüber schallte. Der Blick in den Bus ließ darauf schließen, dass die zwei Jungs, die vor dem Bus am Feuer saßen und das ein oder andere Bier tranken, diesen Platz als Nachtlager auserkoren haben. Ein provisorisches Bett im Heck und ein paar einfache Regale und Schränke, welche nicht zusammen passten, machten aus dem Fahrzeug einen Ort zum Entspannen. 

Ich war tatsächlich beeindruckt, da ich bisher nur die großen weißen Wohnmobile oder Wohnwagen vom Campingplatz kannte. Das war für uns nichts, viel zu groß, zu bieder war das Bild, was sich für uns in Verbindung mit diesen Fahrzeugen aufgebaut hatte. Für uns ergab sich hier immer das Bild des „klassischen“ Campers, mit Gardinen an den Fenstern, abgesteckten Teppichen vorm Fahrzeug und den obligatorischen Deko-Gartenzwergen, um das Revier zu markieren.

Aber das war was anderes, ein einfacher Bus mit ziemlich spartanischer Ausstattung, welcher Lust auf Abenteuer machte. Und das Beste, man war nicht an Campingplätze mit irgendwelchen Uhrzeiten gebunden. Man konnte da stehen, wo man will (dachten wir halt so), bis wann man will und wie lange man will. Wow, was für eine Freiheit. Damit war bei uns ein Funke übergesprungen, welcher bis heute unser ganzes Leben verändern sollte. Bereits nach Ankunft auf dem Campingplatz, kurz bevor die Schranken zu gemacht wurden, hatten wir gemeinsam den Entschluss gefasst, dass wir genau sowas auch wollen.

Ein rostiger Multivan

Kommt Zeit, kommt Bus? 

 Allerdings sollten hier noch viele Jahre ins Land gehen, bis wir diesen Traum umsetzen konnten. Wir haben zwar immer und immer wieder die einschlägigen Portale durchforstet, uns in YouTube-Videos angesehen, wie andere diesen Traum bereits umgesetzt haben und was alles so in dem Bereich möglich ist. Unser bevorzugtes Modell war ein T3 oder T4 mit Allrad und Aufstelldach, einer kleinen Küchenecke und einer Sitzbank, die man zu einer Schlaffläche umbauen kann. Allerdings haben uns die Preise für solche Fahrzeuge schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. So einfach sollte der Start ins Camperleben nicht sein.

Wir haben uns natürlich trotzdem auch Fahrzeuge angesehen, aber irgendwie waren wir mit der ganzen Sache nie zufrieden, sodass wir gesagt hätten: DAS IST ES!

Vera und ich, wir sind beide keine Mechaniker, wir haben keine Halle und Erfahrungen beim Ausbauen von Fahrzeugen bringen wir auch nicht mit. Also hieß es warten und die Augen offen halten, bis sich das passende Fahrzeug findet und dann der Intuition vertrauen und zuschlagen. 

Einfach mal den Tramper vom Straßenrand mitnehmen.

Durch einen Bänderriss, welcher sehr lange gebraucht hat um zu heilen, war ich viel auf Hilfe angewiesen. Mein Vater fuhr mich zu einem Termin und auf dem Rückweg kamen wir an unserer “Hauswerkstatt” vorbei, wo wir bisher immer unsere Autos haben reparieren und warten lassen.

Und da stand er, ein weißer Kastenwagen, mit großen Aufklebern einer Silhouette der Zugspitze auf der Seite und einem “zu verkaufen” Schild in der Heckscheibe.

Das Verkaufsschild unseres ersten Kastenwagens

Ein paar Bilder von außen durch die Scheiben und schnell heim, um das Thema zu besprechen. Tatsächlich habe ich irgendwie in dem Moment die Angst und auch die Zweifel aus irgendeinem Grund über Bord geschmissen. Stattdessen habe ich mein Handy aus der Tasche gezogen, um herauszufinden, was ein neuer Motor so kostet. 

Nachdem wir die Kosten grob überschlagen und die verfügbaren Mittel geprüft hatten, schien es tatsächlich realistisch, dieses Projekt zu stemmen. Wir riefen den Besitzer wegen einer Besichtigung an.  

Wir waren direkt Feuer und Flamme, als wir die Möglichkeit bekamen, uns im Inneren umzusehen. Hier sahen wir uns zum ersten Mal mit dem Thema Stehhöhe, fest verbaute Toilette und einer eingebauten Heizung konfrontiert. Alles Themen, die wir bei den anderen Fahrzeugen, welche wir uns angesehen haben, überhaupt nicht auf dem Schirm hatten.

Es handelte sich um einen weißen Renault Master aus dem Baujahr 2002, welcher ursprünglich als Transporter für eine ortsansässige Tischlerei gedient hatte.  

Die Transportdienste gehörten allerdings der Vergangenheit an, sodass sich das Fahrzeug ideal als Reisemobil bzw. später für uns als kleines rollendes Eigenheim entpuppen sollte. 

Da die aktuellen Besitzer kein großes Interesse mehr an dem Fahrzeug hatten, weil sie mittlerweile auf einen Wohnwagen umgestiegen waren, wurde man sich schnell über den Preis einig und nun begann die Suche nach einer Werkstatt, welche uns einen generalüberholten Austauschmotor beschaffen und einbauen würde.

Wir fanden eine Werkstatt in Koblenz, welche den Camper sogar vor Ort abholte. Es dauerte keine zwei Wochen, dann war er fahrbereit. Neben dem Motor ließen wir direkt noch andere wichtige Arbeiten vornehmen, damit wir umso länger Ruhe hätten.

Wir tauften unser Auto Hans, nach meinem Opa. Von da an begleitete er uns etliche Wochenenden und Wochen durch Europa. Hatte er vorher nur Holland und die Zugspitze gesehen, reiste er mit uns schon im zweiten Jahr von Kroatien bis ans Nordkap – und das alles nur innerhalb der verfügbaren Urlaubstage als Angestellter. Ein erster Eindruck war geschaffen wie so ein Camperleben aussehen könnte war geschaffen.

Wir stellten schnell fest, dass wir mehr reisen wollten. Länger und ohne zeitliche Begrenzung. Doch mit unseren normalen Jobs in einem normalen Leben in einer durchschnittlichen Stadt wäre das so schnell nicht möglich. Dass eine weltweite Gesundheitskrise die Sache schließlich für uns entscheiden würde, konnte damals in 2018 noch niemand ahnen. Wir wussten aber: Der Traum war da und wir würden ihn eines Tages erreichen.

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